radikal:klima eine Partei auch für ältere Menschen?

Was ist radikal:klima?

Eine neue Partei, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die Berliner Politik so zu gestalten, dass das Pariser Abkommen noch erreicht werden kann.

Es fühlen sich bis jetzt vor allem junge Menschen angesprochen, denn diese Partei hat ihre Verankerung in der Fridays for Future-Bewegung, aber auch beispielsweise in Klimaaktivisten-Gruppen wie Extinction Rebellion.

Diese Bewegungen finden auf der Straße statt, ihre Mitglieder und Teilnehmenden sind vorwiegend Jugendliche und junge Erwachsene. Das ist auch gut so, denn diese sind es, die die Folgen der drohenden Klimakatastrophe ausbaden werden müssen.

Das kann und soll aber auf keinen Fall heißen, dass sich Menschen 50 plus nicht für eine Verbesserung unserer Lebensumstände einsetzen sollten. Bei einer Lebenserwartung von mittlerweile circa 83 Jahren in Deutschland wird das Problem – falls es nicht sofort und radikal angegangen wird – auch uns ältere Menschen betreffen.

Diejenigen, die Kinder oder Enkelkinder haben, haben sowieso ein großes Interesse daran, die Erde – oder bleiben wir mal ganz bescheiden bei Deutschland, noch bescheidener bei Berlin – in einem möglichst guten Zustand zu hinterlassen. Doch man muss keine eigenen Kinder haben, um sich über den Zustand der Erde Sorgen zu machen, Menschen sind meist empathisch und möchten das Gute erreichen, auch wenn es ihnen nicht direkt nutzt. Die Auswirkungen des Klimawandels hingegen werden auch uns, also die Generation 50 plus beeinträchtigen. Menschen in anderen Ländern sind schon längst betroffen.

Wer jetzt – so wie ich – Mitte 60 ist und noch relativ fit und gesund, kann sich vorstellen, dass man in zehn Jahren mit Mitte 70 sicherlich um einiges gebrechlicher sein wird als jetzt. Gerade dann werden wir höchstwahrscheinlich auch weniger Möglichkeiten haben, uns mit den nachteiligen Folgen der Klimakrise zu arrangieren. Um etwas konkreter zu werden: die durchschnittlichen Temperaturen in den Sommermonaten, die jetzt schon zum Teil schwer erträglich für alte Menschen sind, werden weiter steigen. Das heißt, man muss sich um genügend Trinkwasser kümmern, um Kühlung der Innenräume und um die daraus folgenden gesundheitlichen Probleme.

Da es aber nicht einfach nur heißer und trockener bei uns werden wird, sondern auch die Trinkwasserversorgung gefährdet ist, wird sich das Problem verschärfen. Das Gesundheitssystem, das sowieso schon jetzt während der Coronakrise vor große Herausforderungen gestellt ist, wird in zehn bis zwanzig Jahren mit ungleich größeren Problemen kämpfen müssen. Ob es dann überhaupt noch möglich sein wird, die wachsende Zahl von alleinlebenden und hilfsbedürftigen Alten in ihren Wohnungen zu versorgen, danach zu sehen, ob sie ausreichend mit Lebensmitteln und Flüssigkeit versorgt sind, stelle ich mir sehr viel komplizierter vor, als es heute schon ist.

Höhere Temperaturen, sinkende Grundwasserspiegel, schlechtere Luft zum Atmen, weniger Grün in der Stadt, Flugzeuglärm und Autoabgase, das sind alles keine guten Bedingungen für ein Leben im Alter.

Deshalb ist es so wichtig, sich jetzt und wirklich jetzt dafür einzusetzen, dass eine Wende stattfindet – und zwar eine radikale Wende! Wir haben genug Lebenserfahrung, um zu wissen, was wirklich wichtig ist im Leben: Gesundheit, Liebe, Familie, Freunde, Kommunikation mit anderen Menschen, Musik, Tanz, Literatur, Kunst, Wandern, Schwimmen, Spazieren gehen –  all das gehört dazu. Aber Konsum um jeden Preis?  Gerade die Älteren wissen doch, dass das zigste neue Kleid, das zwanzigste Paar Schuhe oder ein schickes Auto nicht das ist, was uns glücklich macht. Selbstverständlich gibt es Grundbedürfnisse, die erfüllt sein müssen, um ein gutes Leben zu führen. Doch wir in Deutschland  – im Gegensatz zu vielen anderen Ländern – haben im Normalfall all die Dinge, die wir brauchen. Es gibt Armut hier, auch Kinderarmut, und diese muss dringend und unbedingt politisch bekämpft werden!

Doch mir geht es hier um das gegenteilige Problem: Wir haben zu viele Sachen, Dinge die wir nicht brauchen und werden kein bisschen glücklicher dadurch. Oft ist der Kauf von Luxusgütern einfach ein Ersatz für Freude.

Ich spreche mit vielen Freunden, die so alt sind wie ich oder auch älter und ich merke, dass sie sich einfach an einen recht hohen Lebensstandard gewöhnt haben; das ist normal und vollkommen nachvollziehbar. Die Frage ist jedoch: wo sind die Prioritäten? Wir können gut und glücklich leben ohne die Flugreise nach Mallorca, ohne ununterbrochen neue Handys zu kaufen, auch ohne Fleisch zu essen, ohne Auto in der Stadt – doch es ist eine Umstellung. Und Umstellungen sind nie einfach! Wenn die Alternative aber ist, dass es zur Klimakatastrophe kommt, zu Hungersnöten, zu Dürren und Ernteausfällen, zu Wassermangel und zu daraus resultierenden Verteilungskriegen und Krankheiten, dann sollte eigentlich jedem von uns klar sein, dass wir uns ändern müssen.

Ein Trost: wer geistig fit bleiben möchte, tut gut daran, Neues zu lernen, Neues auszuprobieren! Lasst uns dieses Neue gemeinsam herausfinden!

Ändern muss und sollten wir uns alle, doch ändern muss sich vor allem die Politik! Jede politische Entscheidung, sei sie klein oder groß, muss unter dem Aspekt des Klimawandels betrachtet werden. Es kann nicht so weitergehen, dass die Erkenntnisse der Wissenschaft keinen Einfluss auf die praktische Politik haben.

Für eine lebenswerte Zukunft, für gute weitere 10, 20, 30 oder auch 40 Jahre, die unser Leben noch dauern wird! Der Einsatz lohnt sich – kommt zu radikal:klima und bringt euer Wissen, eure Lebenserfahrung und eure Ideen mit ein!

Elvira Hanemann

Der partizipative klimaplan

Wir schreiben mit Euch, Berlins Bürger:innen, der Klimagerechtigkeitsbewegung, Wissenschaftler:innen und städtischen Initiativen und Organisationen, gemeinsam den Klimaplan, mit dem unsere Hauptstadt bis 2030 nettonull Emissionen erreichen kann.

Starke Ansätze sind schon da - jetzt gilt es, diese existierenden Ideen und versierten Menschen in einem transparenten Prozess zusammenzubringen. Gemeinsam entwickeln wir ein Konzept, das wir als radikal:klima politisch umsetzen - wissenschaftlich fundiert und partizipativ!

Dafür brauchen wir Deine Unterstützung!