radikal:klima bedeutet, sich radikal einzusetzen für Vielfalt und Inklusion

Plakat auf einer Demonstration mit der Aufschrift "Alltagsrassismus beenden"

Mit den “Black Lives Matter”-Demonstrationen der vergangenen Wochen wurden nicht nur Rassismus und rassistische Polizeigewalt der USA in den Fokus gerückt, sondern auch das Thema “Rassismus in Deutschland” lauter denn je auf die öffentliche Bühne getragen. Durch die überwältigende Solidarisierung mit den Protesten in den USA wurde ein starkes Zeichen gegen Alltagsrassismus und strukturellen Rassismus in Deutschland, insbesondere Diskriminierung, Racial Profiling und übermäßige Gewalt durch die Polizei gesetzt. Die lauteste Forderung der Demonstrierenden und BIPoC (Black, Indigenous, People of Colour, also Schwarze, Angehörige indigener Völker und andere als nicht weiß gelesene Menschen): Zuhören und das eigene Verhalten kritisch hinterfragen.

Die Frage, wie wir Rassismus entgegenwirken können, beschäftigt uns als Partei, die sich dafür einsetzt, dass Berlin zu einer lebenswerten, klimagerechten Stadt für alle wird, aber auch als ‒ bislang stark weiß geprägt ‒ Bewegung. Was läuft schief in unserer Gesellschaft, dass rassistische Muster, Diskriminierung und fehlende Akzeptanz trotz immer wieder auftretender Vorfälle, Diskussionen und Proteste immer noch so verbreitet sind? Wo sind wir noch blind für Alltagsrassismus ‒ auch den eigenen? Was können wir tun, oder besser: Was müssen wir tun, um wirklich rassismuskritisch zu denken und rassistische Denkweisen zu erkennen, zu verlernen und zu bekämpfen? 

Die Proteste der vergangenen Wochen haben diese Verantwortung, die jede:r Einzelne von uns trägt, lauter denn je ins Bewusstsein gerufen. Für uns ist klar, dass eine Stadt nur lebenswert ist, wenn sich Menschen aller Ethnien und Religionen dort willkommen und respektiert fühlen. Doch es ist auch klar, dass wir davon noch weit entfernt sind! Noch viel mehr muss getan werden, um das fehlende Bewusstsein oder die fehlende Aufmerksamkeit für Rassismus im System und im Alltag sichtbar zu machen. Wir alle müssen tagtäglich einen bewussteren Umgang mit der Thematik fördern!

Doch was hat Rassismus mit Klimagerechtigkeit zu tun?

Die meisten Menschen, die schon heute direkt von den Folgen der Klimakrise betroffen sind, kommen aus kolonisierten Regionen (Globaler Süden), welche nur wenig zur Klimakrise beigetragen haben und bereits zuvor unter den Folgen der Kolonialgeschichte litten: Der seit Jahrhunderten vollzogene Raubbau durch den globalen Norden führt nicht nur zu Armut, sondern langfristig zu den zunehmenden Extremwetterereignissen, wie wir sie heute vor Allem im globalen Süden sehen. Die Gleichgültigkeit gegenüber den ungerecht verteilten Umweltrisiken wird auch als Umweltrassismus oder Klimarassismus bezeichnet. 

Auf den Punkt gebracht kann man sagen: Der Klimarassismus ist die Fortführung der rassistischen Strukturen der Kolonialzeit im 21. Jahrhundert: die Wirtschaftssysteme der Industrieländer wachsen weiterhin auf Kosten des globalen Südens.

Beide Krisen ‒ Rassismus und Klimakrise ‒ haben ihren Ursprung in einem System, das auf Unterdrückung und Ausbeutung beruht, von Menschen einerseits, und der Natur und Lebensgrundlage andererseits. Die einen produzieren die Klimakrise und profitieren davon, und die anderen kämpfen mit ihren Folgen. Eine gerechte Lösung für den Klimaschutz setzt daher dringend eine Auseinandersetzung und Aufarbeitung der rassistischen Strukturen der Kolonialzeit voraus und schließt eine Auseinandersetzung mit dem Rassismus des 21. Jahrhunderts ein.

Was hat Alltagsrassismus in Deutschland mit uns zu tun?

Mit dem Alltagsrassismus ist es ähnlich wie mit den Klimasünden im Alltag: Für beide ist man oft noch blind, selbst dann, wenn man sich doch eigentlich anders verhalten möchte. Beide fußen auf einem teils unbewussten, über Generationen gewachsenen Überlegenheits- und Anspruchsdenken, welches auf ungleichen Machtverhältnissen basiert. Mal ist es offensichtlich, und ein anderes Mal versteckt es sich in den kleinen Dingen des Alltags. Einen Unterschied gibt es: Den weißen Autorinnen dieses Artikels fällt es gar nicht so leicht, den Alltagsrassismus auf Anhieb zu benennen, denn sie haben diesen nie selbst erfahren müssen.

Und genau da liegt der Punkt: Ohne die Sensibilisierung für die Belange der Menschen, die rassistisch motivierte Diskriminierungen und Unterdrückung selbst erleben und ohne zu verstehen wie Alltagsrassismus “funktioniert”, kann man ihn nicht bekämpfen. Hier stehen wir als Privilegierte in einer weißen Mehrheitsgesellschaft in der Pflicht. Damit sich in den erarbeiteten Lösungen für die Klimakrise und ein klimagerechtes Berlin nicht dieselben ungleichen Machtverhältnisse wiederfinden, muss das Thema Vielfalt und Inklusion an der Wurzel, also radikal angegangen werden. 

Denn (klima)gerecht sind nur die Lösungen, die für Berlin in seiner ganzen Vielfalt repräsentativ sind.

Warum radikal?

Der Tod von George Floyd war sicher einer der Auslöser für die weltweiten und deutschlandweiten Demonstrationen der vergangenen Wochen. Doch deren Intensität und Reichweite zeugen von einer viel größeren Tragweite, die sich hinter dem Schicksal eines Einzelnen verbirgt. Rassistische Diskriminierung, Unterdrückung und Polizeigewalt sind keine Einzelfälle, sondern immer noch an der Tagesordnung – trotz jahrzehntelanger Forderungen und Proteste. Spätestens heute ist klar: Unsere Gesellschaft muss sich radikal ändern, um Rassismus in all seinen Ausprägungen entgegenzuwirken.

Ein Ziel unserer Partei ist es daher, uns für die Belange von BIPoC zu sensibilisieren, uns für radikale Vielfalt und Inklusion einzusetzen und die Vielfalt Berlins zu repräsentieren. Warum radikal? Um Rassismus zu bekämpfen, muss dort angesetzt werden, wo er entsteht: In den Köpfen der weißen Mehrheitsgesellschaft. Wir verpflichten uns daher, uns zu sensibilisieren und untereinander das Bewusstsein zu schaffen für den eigenen “toten Winkel der Privilegierten”: Die Themen Rassismus, Vielfalt, Inklusion aber auch Intersektionalität müssen bei allen gesellschaftlichen Themen mitgedacht werden, sei es bei der Bildung, Mobilität oder Gesundheit.

Was tut radikal:klima in Sachen Vielfalt und Inklusion?

Eine gängige Kritik an der deutschen Klimabewegung ist, dass sie zu weiß ist. Fast alle großen Umweltorganisationen werden von Weißen geleitet, und auch die Gründer von radikal:klima sind ausschließlich weiß.

Mit Aussagen wie “Wir sind gegen Rassismus” und “Wir sind für Vielfältigkeit” ist es nicht getan, solange sich die Vielfalt Berlins nicht in unserer Partei abbildet. Wir haben uns natürlich auch gefragt, wie wir uns für andere Perspektiven öffnen, innerhalb der Partei die richtigen Anreize für mehr Vielfalt schaffen, und so verhindern können, dass Menschen sich mit ihren Anliegen nicht gehört, gesehen und angesprochen fühlen. 

Seit der Gründungsphase gibt es daher eine Arbeitsgemeinschaft, die sich den Themen Inklusion und Vielfalt widmet, sich anhand von Workshops und Seminaren rund um Antirassismus, weiße Privilegien und Kolonialismus selbst für die Thematik sensibilisiert und Expert:innen ins Boot holt, um unter allen Mitgliedern mehr Bewusstsein für rassismuskritisches Denken zu fördern. Denn wahre Vielfalt und Inklusion wird es erst geben, wenn sie in den Köpfen der Mehrheit verankert ist.

Bis wir unser Ziel hinsichtlich der repräsentativen Mitgliederstruktur erreicht haben, solidarisieren wir uns mit allen Anliegen der BLM- und Antirassismus-Bewegung, denn: Rassismus geht uns alle an!

Der partizipative klimaplan

Wir schreiben mit Euch, Berlins Bürger:innen, der Klimagerechtigkeitsbewegung, Wissenschaftler:innen und städtischen Initiativen und Organisationen, gemeinsam den Klimaplan, mit dem unsere Hauptstadt bis 2030 nettonull Emissionen erreichen kann.

Starke Ansätze sind schon da - jetzt gilt es, diese existierenden Ideen und versierten Menschen in einem transparenten Prozess zusammenzubringen. Gemeinsam entwickeln wir ein Konzept, das wir als radikal:klima politisch umsetzen - wissenschaftlich fundiert und partizipativ!

Dafür brauchen wir Deine Unterstützung!